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Warum enden so viele Geburten im Kaiserschnitt?

Die Kaiserschnitt-Treppe – warum der Kaiserschnitt meist nicht der Anfang der Geschichte ist

"Es war ein Notfall. Man konnte nichts mehr machen."


Diesen Satz höre ich immer wieder.

Von Frauen, die sich eine natürliche Geburt gewünscht hatten und nach einem Kaiserschnitt mit vielen Fragen zurückbleiben.

Und weisst du was?

Als der Notfall da war, stimmt dieser Satz oft sogar.

In diesem Moment gab es vielleicht tatsächlich keine andere Möglichkeit mehr.

Doch irgendwann begann ich, eine andere Frage zu stellen.


War der Notfall wirklich der Anfang der Geschichte?


Oder war er die letzte Stufe einer Treppe, die schon viel früher begonnen hatte?

Aus unzähligen Gesprächen mit Frauen, Interviews und Begleitungen entstand ein Modell, das ich heute die Kaiserschnitt-Treppe nenne.



Es geht nicht um Schuld

Bevor wir diese Treppe gemeinsam hinaufsteigen, möchte ich dir etwas ganz Wichtiges sagen.

Dieser Artikel soll niemandem Schuld geben.


Nicht dir, nicht deiner Hebamme.

Nicht deinem Arzt, nicht deinem Partner.


Schuld verändert nichts, aber Verstehen kann trotzdem helfen.


Denn nur wenn wir verstehen, wie wir auf diese Treppe geraten sind, können wir bei einer nächsten Geburt vielleicht an einer früheren Stufe aussteigen.


Fangen wir unten an.


Stufe 1 – Das Bild über dich selbst

Die erste Stufe beginnt lange bevor du schwanger wirst.

Sie beginnt mit Fragen wie:

  • Bin ich gut genug?

  • Kann ich meinem Körper vertrauen?

  • Bin ich eine gute Mutter?

  • Schaffe ich das überhaupt?

Viele dieser Überzeugungen entstehen schon in unserer Kindheit.

Sie begleiten uns oft unbemerkt bis in die Schwangerschaft.

Sie bedeuten nicht automatisch einen Kaiserschnitt.

Aber sie können Unsicherheit erzeugen.

Und Unsicherheit ist einer der grössten Stressfaktoren unter der Geburt.


Stufe 2 – Das Bild über Geburt

Welches Bild hast du über Geburt und woher kommt es?


Aus Hollywood?

Aus Erzählungen?

Aus den Nachrichten?


Die meisten Bilder, mit denen wir aufwachsen, zeigen Geburt als Notfall.


Ein grosses Chaos mit Schmerz und viel Schreien.

In Filmen wird es oft Blaulicht und Panik dargestellt.


Geschichten von anderen Frauen in der Familie und im Bekanntenkreis sind erfüllt von Angst und Schmerz und medizinischen Interventionen.


Kein Wunder also, wenn viele Frauen schon mit dem Gefühl in die Geburt gehen:

"Jetzt beginnt das Schlimmste."


Doch natürliche Geburten sehen oft völlig anders aus.

Sie sind ruhiger, intuitiver und unendlich kraftvoller. Aber diesen Bildern wird eine Erstgebärende oft nicht begegnen.


Stufe 3 – Vorbereitung

Viele Frauen bereiten sich intensiv auf ihr Baby vor, aber erstaunlich wenige auf das Gebären selbst.

Geburtsvorbereitung bedeutet weit mehr als einen Krankenhauskoffer zu packen.

Sie bedeutet auch:

  • den eigenen Körper kennenzulernen

  • zu verstehen, wie Geburt biologisch funktioniert

  • mit Angst umgehen zu lernen

  • Vertrauen aufzubauen

  • mentale Werkzeuge zu entwickeln


Das lernst du in der Regel nicht im regulären Geburtsvorbereitungskurs. Aber es gibt inzwischen viele alternative und ergänzende Möglichkeiten dich vorzubereiten.


Stufe 4 – Begleitung

Eine gute Begleitung nimmt dir deine Geburt nicht ab, sie hilft dir, sie selbst zu gestalten.

Mein Ziel als Geburtsbegleiterin ist nicht, dass Frauen von mir abhängig sind, im Gegenteil.

Ich wünsche mir, dass du während der Geburt so sehr mit dir und deinem Körper verbunden bist, dass du selbst fühlst, was du brauchst und was nicht. Wie du dich bewegen willst und wie nicht. Weil du gelernt hast, dir selbst zu vertrauen.


Und wenn diese vier Stufen fehlen?

Dann wird Geburt oft zur Glückssache.

Vielleicht hast du Glück und dein Baby liegt perfekt.

Vielleicht triffst du auf ein wunderbares Geburtsteam und vielleicht verläuft alles problemlos.


Oder eben nicht.

Vielleicht liegt dein Baby grad noch nicht perfekt, vielleicht ist die Hebamme grad nicht da oder sie ist gestresst und kann dich nicht so auffangen, wie du das brauchst.

Daraus entsteht so schnell Unsicherheit.


Sobald Unsicherheit entsteht, beginnt oft eine Spirale.


Die letzten fünf Stufen

Du gerätst in Angst und Stress.


Es "braucht" Interventionen und dann weitere Interventionen.


Irgendwann folgt dann ein Notfall und der Kaiserschnitt.


Diese Stufen entstehen häufig nicht plötzlich.

Sie entwickeln sich Schritt für Schritt.

Natürlich gibt es echte Notfälle, die niemand vorhersehen oder verhindern kann.

Und genau für diese Situationen bin ich unendlich dankbar, dass wir heute die Möglichkeiten der modernen Medizin haben.

Doch viele Kaiserschnitte entstehen nicht aus einem einzigen dramatischen Ereignis.

Sondern aus vielen kleinen Faktoren, die sich gegenseitig verstärken.


Die wichtigste Erkenntnis

Der Kaiserschnitt war nicht die erste Stufe, er war die letzte.

Und genau darin liegt Hoffnung.

Denn wenn wir die unteren Stufen kennen, können wir sie bewusst gestalten.

Nicht um die Vergangenheit ungeschehen zu machen, sondern um eine nächste Geburt mit mehr Vertrauen, mehr Wissen und mehr Selbstbestimmung zu erleben.


Du bist nicht schuld. Aber du darfst Verantwortung übernehmen.

Bitte nimm aus diesem Artikel nur eines mit:


Du bist nicht schuld an deinem Kaiserschnitt.

Du hast mit dem Wissen, den Möglichkeiten und der Unterstützung gehandelt, die dir damals zur Verfügung standen.

Doch heute weisst du vielleicht etwas mehr und genau darin liegt deine Kraft.


Du kannst andere Entscheidungen treffen, dich anders vorbereiten und dich anders begleiten lassen.



Vielleicht hat dieser Artikel etwas in dir bewegt.


Die Kaiserschnitt-Treppe endet beim Kaiserschnitt, aber deine Geschichte endet dort nicht.


Vielleicht hast du dich an der einen oder anderen Stufe wiedererkannt. Vielleicht hast du zum ersten Mal verstanden, dass dein Kaiserschnitt nicht einfach aus dem Nichts passiert ist.


Nicht, um Schuld zu suchen, sondern um Zusammenhänge zu erkennen, denn genau dort beginnt Veränderung.


Der Kaiserschnitt war nicht das Ende deiner Geschichte, er war ein Kapitel und vielleicht beginnt genau heute ein neues.


Eine Geschichte, in der du deinem Körper wieder vertraust.

Eine Geschichte, in der du deine Geburt bewusst mitgestaltest.

Eine Geschichte, in der du Schritt für Schritt deine eigene Kraft wiederfindest.


Denn jede Heldinnenreise beginnt mit dem Moment, in dem wir bereit sind, unsere Geschichte neu zu betrachten.


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